Fieber im Kindes- und Jugendalter

Jedes gesunde Kind bekommt ab und an Fieber. Trotzdem fühlen sich viele Eltern mit einem fiebernden Kind verunsichert oder sind verängstigt. Was aber genau hat Fieber zu bedeuten, was können Sie tun und was ist unbedingt zu bedenken? Mit diesem Merkblatt möchten wir der Verunsicherung bei Fieber entgegenwirken und Ihnen einige Hinweise zu Fieber und zum Umgang mit Ihrem fiebernden Kind geben.

 

Der Wärmeorganismus

Wir bilden Körperwärme in den Organen und der Muskulatur. Sie durchdringt uns und wird wohldosiert über die Körperoberfläche an die Umwelt abgegeben. Ein Tier reguliert seine Wärmeverhältnisse umso selbstständiger, je höher entwickelt es ist. Der Mensch bildet kein Fell oder Federkleid mehr, sondern reguliert sein Wärmegleichgewicht aktiv: z.B. über Durchblutungsänderungen, Schweißbildung und über sein Verhalten (z.B. bei der Kleidungswahl). Aus diesem aktiv geregelten Wärmefließgleichgewicht resultiert eine »atmend« stabile Körpertemperatur: Schlafend »atmen« wir unsere Wärme etwas aus, Hände und Füße sind warm, die Körperkerntemperatur sinkt leicht. Sind wir wach und ganz bei uns, ist die Wärme eher zentriert, die Körpertemperatur steigt leicht. Wenn wir uns stark bewegen, bilden wir mehr Wärme, die Körpertemperatur steigt deutlich (bis über 39 °C beim Sport), unsere Peripherie wird warm und wir schwitzen dann, um die Wärme schneller wieder abzugeben.

Wärme spüren wir am bewusstesten an der Körperoberfläche: Wir »frieren«, wenn unser Körper mehr Wärme braucht (z.B. beim Fieberanstieg), und fühlen uns warm und schwitzen, wenn viel Wärme abgegeben werden muss. Das Wahrnehmungszentrum für Körperwärme im Gehirn regelt die Wärmebildung und ­abgabe nach den aktuellen Körperbedürfnissen. Es sorgt für warme (gut durchblutete) oder kalte (wenig durchblutete) Hände und Füße, Körperschweiß oder Schüttelfrost, um eine adäquate Körpertemperatur zu erzielen.

 

Fieber und Wärmepflege

Fieber ist eine gesunde Reaktion des Körpers auf eine – meist virale – Infektion. Es ermöglicht dem Organismus, sich effektiv gegen die Erkrankung zu wehren und die Genesung zu fördern. Es ist bekannt, dass Kinder, die fieberhafte Krankheiten ohne medikamentöse Fiebersenkung oder Antibiose durchmachen, auch im späteren Leben ein gesünderes, besser trainiertes Immunsystem haben und weniger chronische Krankheiten bekommen.

Fieber wird vom Körper aktiv gebildet: In der Phase des Fieberanstiegs friert das Kind, bis hin zum Schüttelfrost. Nur der Kopf fühlt sich warm an, die Hände und Füße sind kalt. Gleichzeitig fühlt das fiebernde Kind sich oft krank und geschwächt, manchmal hat es Schmerzen oder ist unruhig oder ängstlich. Wenn die für die Krankheitssituation »richtige« Temperatur erreicht ist, werden Hände und Füße wieder warm, ein neues Wärmegleichgewicht auf höherem Niveau ist gefunden. Sobald das Fieber wieder sinkt, wird die Wärme wieder verteilt: Das Kind fängt am ganzen Körper an zu glühen und meistens auch zu schwitzen. In dieser Phase fühlt es sich entspannter und schläft dabei oft ein.

Begleiten Sie das Fieber so, wie Sie es instinktiv machen würden: Ein fieberndes Kind, das friert und kalte Hände und Füße hat, gehört in ein warmes Bett, ggf. mit einer Wärmflasche. (Achten Sie darauf, keine Verbrennungen zu verursachen!) Wenn Hände und Füße warm werden, ist das Fieber ungefähr auf dem Gipfel angekommen. Dann tut eventuell eine vorsichtige Kühlung gut (körperwarme Wadenwickel oder eine körperwarme Waschung unter Vermeidung einer Auskühlung). Dies sollte aber nicht zu nächtlichem Stress führen.

 

Worauf ist bei einem fiebernden Kind zu achten?

Bei Kindern ohne schwerwiegende Grunderkrankungen steigt Fieber nicht wesentlich höher als knapp über 41 °C und ist für das Kind normalerweise nicht gefährlich.

Gefährlich kann aber eventuell die verursachende Krankheit sein. Dies gilt es zu erkennen, und deshalb ist das Fieber als Symptom ernst zu nehmen. Es ist nicht so sehr die Fieberhöhe, die einen erkennen lässt, ob eine Erkrankung gefährlich ist, sondern es sind vor allem die begleitenden Symptome. (Dies gilt nicht für Säuglinge unter 3 Monaten, bei denen die Höhe des Fiebers mit der Gefährlichkeit korreliert. Diese Kinder sollten deshalb gleich am ersten Fiebertag zum Arzt.) Entscheidend ist, wie Sie die Situation Ihres Kindes beurteilen: Trinkt (und ggf. isst) es? Lässt es sich, wenn es schreit und weint, wie sonst auch beruhigen? Können Sie es wecken und reagiert es auf Sie?

Oder ist es Ihnen fremd, wirkt apathisch, unruhig oder gar schwer krank? In diesem Fall – oder wenn Sie sonst verunsichert sind –, insbesondere wenn es ein noch junger Säugling ist, stellen Sie Ihr Kind direkt einem Arzt vor. Grundsätzlich empfehlen wir einen Arztbesuch, wenn das Kind nach drei Tagen noch immer fiebert, auch wenn es ansonsten keinen so kranken Eindruck macht.

 

Was sind Fieberkrämpfe?

Drei bis vier Prozent der Kinder zwischen einem halben und dem fünften Lebensjahr bekommen Fieberkrämpfe: Das Kind wird plötzlich bewusstlos, atmet verändert, läuft evtl. leicht blau an und hat eine schlappe, verkrampfte oder zuckende Muskulatur. Die allermeisten Fieberkrämpfe sind innerhalb von ein bis fünf Minuten wieder vorbei, ohne schädliche Folgen. Bei den Eltern hinterlassen sie jedoch einen furchtbaren Schreck und rufen manchmal sogar den Eindruck hervor, dass das Kind stirbt. Dies kann jedoch nicht passieren. Fieberkrämpfe sind ungefährlich. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren. Sollte Ihr Kind einen ersten Fieberkrampf bekommen, der nicht innerhalb der ersten Minuten wieder aufhört, rufen Sie den Notarzt (Rufnummer 112 in Deutschland). Falls der Fieberkrampf rasch von selbst aufhört, können Sie Ihren Kinderarzt telefonisch um Rat fragen, wo Sie Ihr Kind vorstellen sollen. Fieberkrämpfe lassen sich mit fiebersenkenden Medikamenten (Paracetamol, Ibuprofen) nicht verhindern.

 

Was braucht Ihr fieberndes Kind?

Vor allem Nähe und Ruhe: Es sollte im Haus bleiben und ausreichend zu trinken bekommen. Elektronische Medien braucht es nicht.

Infektionskrankheiten verlaufen in der Regel nicht schneller, wenn das Fieber gesenkt wird (man merkt sie aber vorübergehend weniger). Im Gegenteil: Zahlreiche wissenschaftliche Studien zu diesem Thema zeigen, dass die Infektabwehr bei 39 bis 41 °C effektiver verläuft als bei 37 °C. Anthroposophische oder homöopathische Medikamente wie z.B. Belladonna, Aconitum oder Ferrum phosphoricum können dem Kind helfen, besser mit dem Fieber um­ zugehen (siehe Literaturempfehlungen). Sie wirken nicht primär fiebersenkend, sondern tragen dazu bei, das Allgemeinbefinden zu stabilisieren.

Ein ca. 35 bis 37 °C warmer Einlauf mit einer Elektrolytlösung, wie sie in Apotheken für Kinder mit Durchfall angeboten wird (z.B. Oralpädon ® 240 neutral; Säuglinge 50 – 100 ml, Kleinkinder bis 200 ml; ein entsprechendes Gummiklistier ist in der Apotheke erhältlich) stabilisiert vor allem bei kleinen und trinkschwachen Kindern den Kreislauf und lässt die Temperatur langsam und milde zurückgehen.

Konventionelle fiebersenkende Arzneimittel können (unabhängig von der Fieberhöhe) z.B. bei Schmerzen wirksam sein. Bei Kindern eignet sich dafür Ibuprofen. Nach Gabe eines fiebersenkenden Mittels schwitzt das Kind vorübergehend, die Körpertemperatur kühlt ab, das Kind fühlt sich weniger krank als es ist. Nach ca. sechs bis acht Stunden fiebert es mit erneutem Frieren und verschlechtertem Allgemeinbefinden wieder auf, sofern die Fieberursache weiter besteht. Wenn Sie ein fiebersenkendes Arzneimittel geben, rechnen Sie bitte mit diesem Verlauf und begleiten Sie Ihr Kind mit einer entsprechenden Wärmepflege (aufdecken, zudecken).

 

Zusammenfassung

Fieber erzeugt der Organismus Ihres Kindes selbst, um Erreger zu bekämpfen und Krankheiten zu kurieren. Dafür kann im Einzelfall ärztliche Unterstützung notwendig werden. Häufiges Fiebermessen ist weniger wichtig als eine sorgfältige Wahrnehmung, wie sich der Gesamtzustand des Kindes entwickelt. In jedem Fall ist Ihr fieberndes Kind eine Herausforderung und Chance für Sie, mit Vertrauen, Umsicht und Zuwendung für Ihr Kind da zu sein.


5. Aufl., September 2018

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Autoren

Nicola Fels, Kinder- und Jugendärztin, Krefeld
Prof. Dr. med. Alfred Längler, Leitender Kinder- und Jugendarzt, Herdecke
Dr. med. René Madeleyn, Kinder- und Jugendarzt, Filderstadt
Prof. Dr. med. David Martin, Kinder- und Jugendarzt, Lehrstuhlinhaber, Witten-Herdecke
Dr. med. Till Reckert, Kinder- und Jugendarzt, Reutlingen
Georg Soldner, Kinder- und Jugendarzt, München

 

Literaturempfehlungen

Glöckler M, Goebel W, Michael K. Kindersprechstunde. 21. Auflage. Stuttgart: Verlag Urachhaus; 2018.

Vagedes J, Soldner G. Das Kinder-Gesundheitsbuch. Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen. 7. Aufl. München: Gräfe & Unzer; 2018.

Soldner G, Stellmann M. Individuelle Pädiatrie. Leibliche, seelische und geistige Aspekte in Diagnostik und Beratung. 5. Aufl. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2018.

 

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Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V. (GAÄD)
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