Merkblatt Vitamin-K-Gabe bei Neugeborenen

Stand: Dezember 2016

Liebe Eltern,

bitte lesen Sie sich diese Informationen über Vitamin K noch vor der Geburt Ihres Kindes durch und besprechen dies mit Ihrem Kinderarzt.

Vitamin K und das Neugeborene

Vitamin K ist ein Vitamin, das für das Blutgerinnungssystem eine wichtige Rolle spielt. Es ist in Milch und in vielen Nahrungspflanzen, besonders reichlich in Blattgemüse, Salat, Kohl, Karotten und Sojaöl enthalten.

Menschliche Muttermilch weist von Natur aus einen niedrigen Vitamin-K-Gehalt auf. (Dieser ist sehr viel niedriger als beispielsweise der von Kuhmilch). In sehr seltenen Fällen (1 von 10.000 Kindern) kann das zu einer Blutung führen, die in einem Drittel der Fälle auch das Gehirn betrifft. Ein Teil dieser Blutungen führt zu einer bleibenden Behinderung oder zum Tod des Kindes. Gefährdet sind besonders Kinder, die eine angeborene Störung im Leber-Galle-System haben, die aber nicht einfach festzustellen ist. Für die Aufnahme von Vitamin K in den Organismus spielt die Galle eine wichtige Rolle.

Der tägliche Vitamin-K-Bedarf eines jungen Säuglings liegt in der Größenordnung von 1 µg (1 Mikrogramm ist 1 Millionstel Gramm). Er wird normalerweise ausreichend durch die Muttermilch gedeckt. Zur Verhinderung von Vitamin-K-Mangelblutungen gibt es seit über 50 Jahren eine Vitamin-K-Prophylaxe für alle Neugeborenen. In Deutschland gilt die Empfehlung, allen Kindern direkt nach der Geburt und bei der 2. und 3. Vorsorgeuntersuchung jeweils 2 mg Vitamin K in Tropfenform zu verabreichen (1 Milligramm sind 1000 µg). Hierdurch wird das Blutungsrisiko sehr deutlich gesenkt, kann jedoch nicht auf Null reduziert werden. (Wenn nach der Geburt 0,2 mg Vitamin K gespritzt werden, ist das Restrisiko noch geringer.)

Flaschennahrung ist in Deutschland immer mit Vitamin K angereichert, in einer Dosierung von 50 µg/Liter.

Worauf muss besonders geachtet werden?

In den ersten Lebensmonaten sollte jede Blutung beim Kind, also z. B. Punktblutungen, Nasenbluten, Blutauflagerungen auf dem Stuhl oder auffällige Blutungsflecke an der Haut, zum Anlass genommen werden, das Kind so schnell wie möglich einem Arzt vorzustellen. Außerdem sollten eine Neugeborenen-Gelbsucht, die länger als 14 Tage anhält, sowie eine ungenügende Gewichtszunahme als möglicher Hinweis auf eine Störung des Gallenflusses ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Fragen zur Vitamin-K-Prophylaxe

Der – im Vergleich zur Kuhmilch – sehr viel niedrigere Vitamin-K-Spiegel im Blut des Neugeborenen und in der Muttermilch deutet darauf hin, dass der Vitamin-K-Gehalt im Laufe der Evolution des Menschen im Vergleich zu Säugetieren gesunken ist. Das wirft die Frage auf, warum dies geschah. Handelt es sich bei diesem niedrigen Vitamin-K-Gehalt um einen Fehler der Natur, der korrigiert werden muss, oder hat dieser eine Funktion, z. B. für das starke Wachstum des Gehirns beim Säugling oder die langsame Reifung des menschlichen Skeletts? Vitamin K beeinflusst nicht nur die Blutgerinnung, sondern auch Stoffwechselprozesse im zentralen Nervensystem, am Skelett oder in den Blutgefäßen. Die langfristigen Folgen unnatürlich hoher Vitamin-K-Gaben an Säuglinge für diese Organe sind nie vergleichend untersucht worden.

Erst kürzlich konnte gezeigt werden, dass z. B. hohe Fluorkonzentrationen im Trinkwasser die Intelligenz des Menschen nachweisbar negativ beeinflussen – während Fluorgaben an Säuglinge immer noch bedenkenlos empfohlen werden, um Karies zu verhindern. (Menschliche Muttermilch weist einen besonders niedrigen Fluorgehalt auf.) Sowohl Fluor als auch Vitamin K fördern Verfestigungsprozesse (z.B. am Skelett). Um bei einem Kind eine fatale Hirnblutung zu verhindern, müssen – die Statistik zugrunde gelegt – 29.999 Kinder mit diesen hohen Vitamin-K-Dosen behandelt werden.

Wie bei jeder anderen vorbeugenden Maßnahme (Prophylaxe) entscheiden letztlich Sie, die Eltern – und diese Entscheidung ist sehr verantwortungsvoll.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es?


  1. Viele Eltern in anthroposophischen Praxen und Kliniken haben sich seit Jahrzehnten für eine kontinuierliche, niedriger dosierte Prophylaxe über 12 Wochen entschieden. Hierbei wurden bis jetzt 25 µg täglich verabreicht, momentan werden 25 oder 50 µg empfohlen. Diese Prophylaxe kann ergänzt werden durch eine einmalige, höher dosierte Gabe von 1 - 2 mg direkt nach der Geburt zum verstärkten Schutz vor Blutungen in den ersten beiden Lebenswochen. Dieses Vorgehen orientiert sich stärker an einer natürlichen Vitamin-K-Versorgung durch die Nahrung und bewirkt einen guten Schutz für gesunde Säuglinge. Bei schweren Störungen des Gallenflusses kann der Schutz unzureichend sein. Bei dieser täglichen, niedrig dosierten Prophylaxe erhält das Kind täglich immer noch etwa die 20- bis 40-fache Vitamin-K-Menge dessen, was die Muttermilch enthält. Eine solche ölige Lösung kann in einer Apotheke hergestellt werden, die Herstellung ist allerdings aufwändig und erfordert Erfahrung. Sie finden unten  Adressen von einigen, darin spezialisierten Apotheken.

  2. Erhöhung des Vitamin-K-Gehalts der Muttermilch durch die Ernährung: Als stillende Mutter achten Sie ohnehin sehr auf Ihre Ernährung. Dabei ist es möglich, durch reichlichen Verzehr von Haferflocken, täglich frischem (!) Blattsalat, Blattgemüse, Möhren, verträglichen Kohlsorten wie Brokkoli oder Verwendung von Maiskeim- oder Olivenöl als Speise- und Salatöl den Gehalt der Muttermilch an Vitamin K mehr als zu verdoppeln. Bei dieser Art der Prophylaxe ist der Schutz vor einer Blutung vermutlich nicht so groß wie bei der Gabe von Vitamin-K-Tropfen. Der Schutz vor Blutungen durch dieses Vorgehen ist überdies nicht durch Studien untersucht worden. Überdosierungen können dabei nicht auftreten.

  3. Falls Ihr Kind überwiegend Flaschennahrung erhält, kann auf die zusätzliche Gabe von Vitamin K unter Umständen verzichtet werden, da Flaschennahrung bereits 50 µg Vitamin K pro Liter enthält.

Vitamin K, ölige Tropfen, 20 ml

Dosierung: wenn nicht anders verordnet, täglich 25-50 µg über 12 Wochen nach der Geburt. Bitte die Angabe der Apotheke beachten, wie vielen Tropfen dies entspricht.

Nicht jede Apotheke stellt die Rezeptur her.
Einige darin erfahrene Apotheken (auch zum Versand) sind z. B.:

Bitte besprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Kinderarzt, ob und wie Sie eine Vitamin-K-Prophylaxe bei Ihrem Kind durchführen lassen wollen. Dieses Merkblatt dient lediglich dazu, ein solches Gespräch anzuregen und vorzubereiten. Das vertrauensvolle Gespräch mit Ihrem Kinderarzt kann dadurch nicht ersetzt werden.

Verantwortliche Autoren

Nicola Fels, Kinder- und Jugendärztin, Krefeld
Dr.med. Markus Krüger, Leitender Kinder- und Jugendarzt, Filderklinik, Filderstadt
Dr. med. René Madeleyn, Leitender Kinderarzt Filderklinik, Filderstadt
Dr. med. Bart Maris, Frauenarzt, Krefeld
Dr. med. Christoph Meinecke, Kinder- und Jugendarzt, Berlin
Prof. Dr. med. Alfred Längler, Leitender Kinderarzt, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke
Georg Soldner, Kinder- und Jugendarzt, München

Literatur

  • Die aktuelle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin zu Vitamin K vom März 2013 finden Sie unter: http://www.dgkj.de/wissenschaft/stellungnahmen/ bzw. unter http://dx.doi.org/10.1007/s00112-012-2827-x
  • Längler A, Madeleyn R, Maris B, Meinecke C, Soldner G: Leitlinie und Merkblatt zum Thema Vitamin-K-Prophylaxe. Der Merkurstab 2007; 60 (1); 62–65.
  • Längler A, Madeleyn R, Maris B, Meinecke C, Soldner G: Leitgedanken zur Vitamin-K-Prophylaxe im Säuglingsalter. Der Merkurstab 2014; 67 (2); Download.
  • Vagedes J, Soldner G: Das Kinder-Gesundheitsbuch. Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen. 2. Aufl. München: Gräfe und Unzer; 2013 (vgl. S. 43 zu Vitamin K).

Stellungnahme der GAÄD zur Vitamin-K-Prophylaxe

3. November 2015

Der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft wurde vor kurzem von einem Jungen berichtet, der sechs Wochen nach Geburt eine schwere, durch Vitamin-K-Mangel bedingte Hirnblutung erlitten hat. Im Hintergrund des von den Eltern gewählten Vorgehens standen auch Informationen des GAÄD-Merkblattes zur Vitamin-K-Prophylaxe. Die GAÄD hat den Vorfall zum Anlaß für die folgende Stellungnahme genommen. 

Zum Download der Stellungnahme »


Herausgeber

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Herzog-Heinrich-Straße 18
80336 München

Tel. (089) 716 77 76-0, Fax -49

www.gaed.de | infonoSpam@gaed.de

7. Auflage | Stand Dezember 2016

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