Anthroposophische Medizin in der COVID-19-Pandemie

Eine Standortbestimmung

Anthroposophische Ärzt*innen leisten einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung in Deutschland – auch in der Betreuung von an COVID-19 erkrankten Menschen.

Die GAÄD unterstützt die Einhaltung erforderlicher Schutzmaßnahmen, wie z.B. altersgerechte AHA-L-Regeln. Sie begrüßt die Impfmöglichkeit gegen COVID-19, empfiehlt eine transparente wissenschaftliche Begleitung der Impfkampagnen und fördert die Beratungskompetenz ihrer Mitglieder für eine individuelle Impfentscheidung. Im Rahmen des infektiologisch Vertretbaren setzt sich die GAÄD für eine baldmöglichste Öffnung der Schulen und die Wiederaufnahme des kulturellen Lebens ein.

 

Die GAÄD – kein Raum für Verschwörungstheorien und Rechtsextremismus

Als medizinische Fachgesellschaft sieht sich die GAÄD einem humanistischen Verständnis der Medizin und einem wissenschaftlich-rationalen Diskurs verpflichtet.

Verschwörungstheorien, Corona-Leugnung, völkische und rechtsextreme Positionen sind mit den Werten der GAÄD nicht vereinbar.

 

Anthroposophische Medizin – integriert auch in die Versorgung von COVID-19-Patient*innen

Kliniken mit anthroposophisch-medizinischem Zusatzangebot sind in den Strukturen des Gesundheitswesens verankert, in das lokale Krisenmanagement integriert und an der Versorgung von COVID-19-Patient*innen beteiligt. Sie arbeiten dabei mit anderen Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Gesundheitsämtern und weiteren verantwortlichen Institutionen zusammen. Ihre Ärzt*innen, Pflegenden und Therapeut*innen sind wie diejenigen anderer Kliniken professionell ausgebildete Fachkräfte, die zudem vielfach über eine ergänzende anthroposophisch-medizinische Weiterbildung verfügen. Einige der Kliniken wie das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin halten überdurchschnittlich viele Intensivbetten bereit und leisten in der vollumfänglichen Betreuung von COVID-19-Patient*innen bis hin zur ECMO-Therapie („künstliche Lunge“) vor Ort ihren Beitrag. Auch die Filderklinik im Raum Stuttgart, das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke im Raum Ennepe/Ruhr, das Paracelsus-Krankenhaus Bad Liebenzell und die Klinik Öschelbronn sind in die regionale klinische Versorgung von an COVID-19 Erkrankten integriert. Im ambulanten Bereich sind Ärzt*innen mit anthroposophisch-medizinischer Zusatzqualifikation vor allem im hausärztlichen Bereich und in Alters- und Pflegeheimen in die regelhafte Versorgung von COVID-19-Patient*innen eingebunden. Die Anwendung ergänzender Therapien erfolgt wie bei jeder konventionellen Therapie auch im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung nach Aufklärung und Zustimmung der Patient*innen oder ihrer gesetzlichen Vertretung.

 

Anthroposophische Medizin ist integrativ, nicht alternativ

Anthroposophische Medizin versteht sich als Erweiterung der naturwissenschaftlich basierten Medizin, nicht als deren Alternative. Dabei integriert sie die seelische, geistige und spirituelle Dimension des jeweiligen Menschen in ihre Behandlungskonzepte: Patient*innen werden nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand und in Anlehnung an die Leitlinien der Fachgesellschaften behandelt, zusätzlich werden weitere Therapien integrativ angeboten.

In der Therapie infektiös bedingter Atemwegserkrankungen verfügt die Anthroposophische Medizin über ergänzende, jahrzehntelang bewährte und wissenschaftlich evaluierte Behandlungskonzepte mit Medikamenten, Äußeren Anwendungen wie Wickel und Auflagen sowie künstlerischen Therapien. In der aktuellen Pandemielage empfiehlt die GAÄD, Schutzvorkehrungen, Impfungen und Therapien durch Maßnahmen zu ergänzen, welche die gesundheitliche Resilienz und immunologische Kompetenz stärken. Zur Vermeidung zukünftiger Pandemien hält es die GAÄD für erforderlich, dass auch deren unverkennbare soziale und ökologische Hintergründe beachtet werden.

 

München, 18. Februar 2021
Der Gesamtvorstand


Standortbestimmung zu COVID-19

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