Vertrauen in der Medizin

Seminar der Akademie Anthroposophische Medizin GAÄD

Freitag, 12. Januar bis Samstag, 13. Januar 2018, am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie werden wir unseren Patienten zum helfenden Begleiter Ihres Lebens- und Schicksalsweges? Wie finden wir den Weg zu den heilenden Kräften? Wie vollzieht sich Heilung? Der Alltag in der Medizin droht mehr und mehr berechnend zu werden, sei es medizinisch-inhaltlich, sei es ökonomisch, sei es zeitlich-organisatorisch. Die Allgegenwärtigkeit der Technik schiebt sich immer weiter zwischen Mensch und Mensch, zwischen Therapeut und Patient. Der Behandelte wird oft nur noch mit Handschuhen berührt und wegen Übertragungsgefahr von Infektionen nicht mehr mit der Hand begrüßt.

Lukas, Arzt aus Antiochien und Begleiter des Paulus, hat uns zwei Bücher hinterlassen: das nach ihm benannte Evangelium und dessen zweiten Teil, die Apostelgeschichte. Darin erzählt er nicht nur von dem Weg des Christus nach Jerusalem. Er stellt diesem als einziger der Evangelisten die Kindheit Jesu voran. Lukas berichtet auch von zwei führenden Vertretern des frühen Christentums: Petrus und Paulus. Beide schildert er in ihren dunkelsten Momenten ihrer Biographie und beschreibt, wie sie aus ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen heraus nicht nur zu wirkmächtigen Verkündern des Christentums wurden, sondern auch Heilkräfte entwickelten.

Lukas begleitete Paulus und tritt zugleich ganz in den Hintergrund der von ihm berichteten Handlung, als Paulus Passagiere und Besatzung im Schiffbruch rettet, darauf hin den Biss einer Giftschlange übersteht und danach ruhrkranke Patienten auf der Insel Melite heilt. Petrus wird vom Jünger Johannes begleitet, als er nach dem Pfingstereignis dem „vom Mutterleibe an“ Gelähmten an der Schwelle des Tempels hilft, sich aufzurichten und „vor Freunde springend“ Gott zu preisen. Das Evangelium schildert, wie Christus die Jünger „zu zweien“ aussendet, um Kranke zu heilen. Lukas erzählt vom barmherzigen Samariter eben-so wie, vom Wirt, der den schwer Verletzten gesund pflegt, und in weit gespanntem Bogen von Petrus und Paulus. Bedeutsam im Verhältnis zu Christus sind auch die Erzählungen von Martha und Maria und vom Gang der Jünger nach Emmaus, die nur Lukas berichtet. Das Motiv des Begleiters zieht sich durch Evangelium und Apostelgeschichte, wenn von Heilung die Rede ist. Man mag sich an die alttestamentarische Tobiaserzählung erinnern: Als sich Tobias auf den Weg macht, seinen Vater von der Erblindung zu heilen, wird er vom Erzengel Raphael in menschlicher Gestalt begleitet. Nur dank seines Begleiters kann er diese Aufgabe meistern – und Raphael entschwindet in dem Augenblick, da sich die Heilung vollzogen hat.

Das Lukasevangelium entfaltet aber auch vom ersten Kapitel an in einzigartiger Weise das Motiv des heiligen Geistes. Und nur Lukas hat uns das Pfingstereignis im Neuen Testament überliefert. Rudolf Steiner rückt in der Grundsteinmeditation die von ihm erkannte Dreigliederung des menschlichen Organismus in einen unmittelbaren Bezug zur göttlichen Trinität. Ostern 1924 spricht er dann in dem für Medizinstuden-ten und junge Ärzte gehaltenen Kurs (24.4.1924, GA 316) davon, dass das Lukasevangelium eine Anweisung für den Heilerwillen in der Medizin darstelle. In diesem Vortrag stellt er einer Medizin, die sich einseitig der Macht eines einzigen Prinzips unterordnet (z.B. dem technisch-ökonomischen Kalkül), eine Medizin gegenüber, die sich der Trinität der Schöpfung und der Seele des Menschen bewusst ist und in Respekt vor dem individuellen Schicksal des Patienten handelt.

Was kann es heute in der Praxis bedeuten, das Lukasevangelium (und die Apostelgeschichte) als „Anweisung für den Heilerwillen“ zu verstehen? Welche Bedeutung hat die therapeutische Gemeinschaft (für den Weg zu den heilenden Kräften? Was kann es bedeuten, den Patienten im Licht der Trinität zu sehen? Wie entsteht Vertrauen in den Heilungsprozess?

Diesen Fragen möchten wir in unserem Seminar gemeinsam nachgehen.
Georg Soldner, Matthias Girke, Marion Debus, Astrid Sterner, Martin-Günther Sterner, Tomáš Bon?k, Markus Karutz und Christward Kröner


Die Teilnahme ist kostenlos. Samstag-Vormittag wird eine Pausenverpflegung bereitgestellt. Um einen freiwilligen Unkostenbeitrag wird gebeten.

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Anmeldung Vertrauen in der Medizin

Anmeldung bis zum 5. Januar 2018
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