Mentoring in der Aus- und Weiterbildung

Das Mentoring ist ein wesentlicher Bestandteil der Aus- und Weiterbildung Anthroposophische Medizin und unterliegt Bedingungen, die in der Anerkennungsordnung zum Anthroposophischen Arzt  in Abschnitt C beschrieben werden. Lesen Sie mehr unter folgenden Aschnitten:

Die Idee

Die Beschäftigung mit der Anthroposophischen Medizin kann für die berufliche und die persönliche Entwicklung sehr bereichernd sein und Fragen aufwerfen, die nicht immer leicht zu beantworten sind. Die persönliche Begegnung mit Kollegen, die bereits vorleben, was man selbst noch erreichen möchte, kann auf dem Weg vom Medizinstudenten zum erfahrenen Arzt weitreichende Bedeutung haben. Für den eigenen Ausbildungsweg und den Erwerb praktischer Fähigkeiten ist es daher wichtig, mit erfahrenen Kollegen in einen persönlichen Austausch zu treten. Die Worte, die Haltung und das ärztliche Handeln eines Menschen, der selbst in seiner Weise den Entwicklungsweg zum Anthroposophischen Arzt beschritten hat, können hilfreich, ermutigend, tröstend und motivierend sein. Sie können die eigene Perspektive weiten, das Wesentliche einer Situation deutlich machen und den Mut erzeugen, ungewohnte Schritte zu tun. Und viele der gedanklichen Inhalte werden erst in einer persönlichen Begegnung und im menschlichen Austausch innerlich lebendig und anwendbar.

Dieser Prozess des Lernens von und mit erfahrenen Kollegen, der als Mentoring oder Mentorat bezeichnet wird, ist ein zentraler Aspekt der Ausbildung zum Anthroposophischen Arzt und soll durch unser Mentorenprogramm gefördert werden, um eine Mentoring-Kultur in der Anthroposophische Medizin zu etablieren.

Der Akademietag 2014 beschäftigte sich mit dem Thema „der gute Mentor“. Aus dieser Veranstaltung entstand die hier geschilderte Darstellung sowie die beiden nachfolgenden Artikel:


Mentoring als Ausbildungsaspekt

Mentorierte Praxisstunden

Für die Anerkennung zum Anthroposophischen Arzt (GAÄD) müssen 100 mentorierte Praxisstunden nachgewiesen werden. Sie beziehen sich auf das Erlernen eigenverantwortlicher Tätigkeiten der ärztlich-therapeutischen Praxis Anthroposophischer Medizin unter der Anleitung durch in dieser Praxis erfahrene Kollegen. Dieser Kontakt kann sich unterschiedlich gestalten. Der jeweils mentorierende Arzt muss nicht identisch mit dem Mentor oder den Mentoren sein, die den Ausbildungsweg ansonsten begleiten.

Wie können sich mentorierte Praxisstunden gestalten?

Hierzu einige, nicht abschließend gemeinte (anzuerkennende) Beispiele:

  • Durch eine ärztliche Tätigkeit in der Klinik (PJ oder Assistenzarztzeit) wie Aufnahme, Anamnese, Untersuchung, anthroposophisch-medizinisch erweiterte Diagnosestellung und Erarbeitung eines Therapiekonzeptes unter der Supervision und Verantwortung eines Mentors in einer entsprechend geführten und mentorierten klinischen Abteilung (optimal geeignet sind dafür geschaffene Ausbildungsstationen).
  • Durch eine Famulatur/Hospitation bei einem Mentor in dessen praktischer bzw. klinischer ärztlicher Tätigkeit. Mentorierte Praxisstunden werden im Rahmen der Patientenbetreuung durch den Mentor in Form von Rückfragen und menotierten Gesprächen und eine entsprechende Dokumentation geleistet. Gerade solche Momente veranschaulichen unmittelbar, worauf es bei der Patientenversorgung ankommt, und vermitteln Inhalte, die so in keinem Lehrbuch zu finden sind.
  • Durch die selbstständige Betreuung eines Patienten. Anamnese, Diagnose und Therapiekonzept sollen entsprechend den Prinzipien der Anthroposophischen Medizin erweitert und gestaltet und der Fall anschließend in einem Mentorengespräch besprochen werden. Entscheidende ist hiereine angemessene Vor- und Nachbereitung. In der Regel können für ein einstündiges Mentorengespräch drei Stunden Vor- und Nachbereitung berücksichtigt und so vier mentorierte Praxisstunden angerechnet werden.
  • Durch das Ansammeln mentorierter Praxisstunden

  • Durch turnusmäßige Mitarbeit in akkreditierten Qualitätszirkeln und Arbeitkreisen (auf regionaler Ebene) oder Teilnahme an spezifisch ausgewiesenen Fallseminaren. Beides sollte entsprechend dokumentiert bzw. bescheinigt werden.

Das Ausbildungsbuch

Für die Ausbildung zum Anthroposophischen Arzt gibt es ein Ausbildungsbuch, in dem die mentorierten Praxisstunden dokumentiert werden können.


Einen Mentor suchen

Wir unterstützen Studenten und Ärzte bei der Suche nach einem geeigneten Mentor.

Mentorenliste

Die GAÄD führt eine Liste von Ärzten, die als Mentoren zur Verfügung stehen. Bitte schreiben Sie an mentoren@gaed.de, wenn Sie Interesse an dieser Liste haben. Sie können dann selbst Kontakt mit den Mentoren aufnehmen und klären, ob eine Mentoratsbeziehung stimmig ist.

Mentorenvermittlung

Auf Wunsch vermitteln wir Ihnen auch gerne einen Mentor. Dafür benötigen wir Informationen, die wir mit Hilfe eines Fragebogens für Studenten oder Ärzte abfragen. Wir bemühen uns auf der Basis der persönlichen Angaben, möglichst passende Kolleginnen oder Kollegen vorzuschlagen und anzufragen. Bei positiver Rückmeldung, senden wir Ihnen die Kontaktdaten, damit Sie ein persönliches Treffen vereinbaren können. Sollte aus der ersten Begegnung kein Mentorat entstehen, suchen wir gerne weiter. Der Kontakt zwischen Mentor und Mentee soll sich gemäß den gegenseitigen Bedürfnissen und Möglichkeiten frei entwickeln.

Fragebogen Mentee – Studenten zum Download

Fragebogen Mentee – Ärzte (in Weiterbildung) zum Download

Bitte senden Sie den ausgefüllten Fragebogen an mentorennoSpam@gaed.de.

Mentorenbörsen

Während der Oster- und Herbsttagung der GAÄD werden Mentorenbörsen eingerichtet, auf denen sich Mentoren und Mentees kennlernen können.

Mentee und Mentor können sich auch spontan finden, z.B. durch Kontakte in Arbeitsgruppen, auf einer Tagung oder im Rahmen eines Fachkurses zur Anthroposophischen Medizin. Realistisch ist auch, dass im Laufe der Ausbildung verschiedene Mentoren die Entwicklung eines Mentee begleiten und ihn in unterschiedlichen Bereichen unterstützen.


Albertus-Magnus-Stipendiaten

Mit der Aufnahmeentscheidung wird den Stipendiaten vom Förderausschuss ein Mentor an die Seite gestellt, bei dem es sich in der Regel um einen erfahrenen Facharzt oder leitenden Arzt (einer anderen Abteilung – nicht den Vorgesetzten) handelt. Mindestens zweimal im Jahr soll durch den Mentor mit dem Stipendiaten ein ausführliches Gespräch über dessen ärztlichen Werdegang geführt werden. Er berät die Stipendiaten hinsichtlich weiteren Ausbildungsschritte und den Förderausschuss bezüglich Ausgestaltung und Dauer der Förderung.
Die Entwicklung der Stipendiaten wird jährlich auf der Basis der Mentorenberichte und der durch die Stipendiaten schriftlich angefertigten Jahresberichte im Förderausschuss besprochen. Fördermaßnahmen werden gegebenenfalls entsprechend aktualisiert.

www.gaed.de/ams


Mentor werden

In Abschnitt C der Anerkennungsordnung wird die Bedeutung des Mentors beschrieben. Voraussetzungen für ein erfolgreiches Mentorat sind ein ehrliches Interesse am Mentee, eine gute Erreichbarkeit, aktives Zuhören und das Einbringen persönlicher Erfahrungen. Häufig geht es nicht nur um einen fachlichen Rat, sondern auch um die Hilfe, sich angemessene Ziele zu setzten. Der Mentor soll den Mentee in der konkreten Umsetzung seiner Interessen und Ideale unterstützen. Erfahrungsgemäß kann sich die Beziehung zu einem Mentee auch für de Mentor als fruchtbar erweisen, und es kommt es durch die generationsübergreifenden Begegnungen zu Entwicklungen auf beiden Seiten.

Voraussetzung für die Übernahme einer Mentorenschaft ist die Anerkennung Anthroposophische Medizin (GAÄD). Wenn Sie bereit und interessiert sind, einen jungen Menschen als Mentor zu begleiten, schreiben Sie uns eine E-Mail unter mentoren@gaed.de. Wir nehmen Sie dann in die Mentorenliste auf. Oder rufen Sie uns in der Mentorensprechstunde der Akademie Anthroposophische Medizin (GAÄD).


Kontakt

Bei allen Rückfragen zum Thema Mentoring stehen wir gerne zur Verfügung:

 

mentorennoSpam@gaed.de

oder Mittwochs, 12:00–15:00 Uhr, auch telefonisch unter (089) 716 77 76-31