Paracelsus-Medaille für Dr. med. Tankred Stöbe

Mit der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft ist im Mai 2016 der Internist und Notfallmediziner Tankred Stöbe für seine zahlreichen humanitären Einsätze in Katastrophen- und Konfliktgebieten ausgezeichnet worden. Er leistet mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen dort ärztliche Nothilfe, wo Menschen sonst keine Hilfe erfahren oder von medizinischer Versorgung nahezu abgeschnitten sind. Seit über 15 Jahren arbeitet Tankred Stöbe nicht selten unter Gefahr für Leib und Leben in den entlegensten Regionen. Er setzt sich auch öffentlich für den Auf- und Ausbau einer Gesundheitsversorgung vor Ort in den ärmsten Regionen der Welt ein und macht als Mitglied des internationalen Vorstands von Ärzte ohne Grenzen auf aktuelle und vergessene Notstandsgebiete, fehlende Arzneimittelversorgung und unbeachtete Krankheiten aufmerksam.

Die Wurzeln für sein humanitäres Engagement liegen in der medizinischen Ausbildung an der Universität Witten-Herdecke, wo Tankred Stöbe 1998 sein Staatsexamen ablegte. Bereits als Student wusste er, dass er sich für die Menschen einsetzen möchte, die sonst keine medizinische Hilfe erfahren. Seine Famulaturen absolvierte er u. a. in Kenia, Lesotho und Indien. Stöbe beschreibt seine Studienzeit folgendermaßen: „Das praxisnahe und patientenzentrierte Medizinstudium war eine gute Vorbereitung für die späteren humanitären Einsätze, wo ja meist mit eingeschränkten diagnostischen Mitteln eine schnelle Behandlung begonnen werden muss.“  2001 erwarb Stöbe den Fachkundenachweis für den Rettungsdienst und wurde 2007 Facharzt für Innere Medizin. Seit 2004 arbeitet Tankred Stöbe im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin, wo er bereits als Arzt im Praktikum tätig war. Mit einer zusätzlichen Weiterbildung qualifizierte er sich 2011 zum Intensivmediziner und 2016 zum Notfallmediziner und leitenden Notarzt in Berlin. Seit 2004 ist Tankred Stöbe Vorstandsmitglied der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen und seit 2015 im Internationalen Vorstand der Organisation.

Sein erster Auslandseinsatz mit Ärzte ohne Grenzen führte Tankred Stöbe 2002 in das Grenzgebiet von Thailand und Myanmar, wo er mit seinem Team Vertriebene einer burmesischen Minderheit in Dörfern mitten im Urwald versorgte. Seit dieser Zeit ist er neben seiner Arbeit im Krankenhaus mindestens einmal pro Jahr für Ärzte ohne Grenzen tätig. Mehrwöchige Einsätze verbrachte er u. a. in Nepal, Gaza, im Südsudan, in Somalia, Syrien und zuletzt 2015 im Mittelmeer auf einem Rettungsschiff zur Versorgung von Bootsflüchtlingen. Trotz kräftezehrender und nicht selten gefährlicher Arbeitsbedingungen vor Ort nimmt er auch diese Herausforderungen immer wieder gern in Kauf, denn seine Kraft und Motivation schöpft er aus dem sinnstiftenden Moment, das mit der Nothilfe verbunden ist: Mit minimaler Ausrüstung, einem kleinen Team und wenigen Medikamenten können Menschenleben gerettet werden. „Das ist Medizin, wie ich sie mir effektiver und schöner nicht vorstellen kann“, so Stöbe.

Mit der Paracelsus-Medaille wird Tankred Stöbe für seine ärztliche Tätigkeit, sein außergewöhnliches humanitäres Engagement und für seine Verdienste um das Ansehen der deutschen Ärzteschaft in hervorragender Weise geehrt. Der Namensgeber der Medaille, Paracelsus (1493–1541), soll gesagt haben: „Wer nichts weiß, liebt nichts. Wer nichts tun kann, versteht nichts. Wer nichts versteht, ist nichts wert. Aber wer versteht, der liebt, bemerkt und sieht auch … Je mehr Erkenntnis einem Ding innewohnt, desto größer ist die Liebe.“ Dieses Zitat der Menschlichkeit erfährt gerade in der neuesten Zeit, in der Krisen und Konflikte weltweit zunehmen, eine besondere Bedeutung. In diesem Sinne ist Tankred Stöbe einer von den Menschen, die besonders dringend gebraucht werden.

 

Karoline Seifert
Der Merkurstab
(August 2016)