Mammografie-Reihenuntersuchung

Stand: September 2017

Soll ich wirklich regelmäßig eine Mammografie machen lassen?

Viele Frauen stellen sich diese Frage, wenn sie alle zwei Jahre im Rahmen des Mammografie-Screenings angeschrieben werden. Mit diesem Merkblatt möchten wir Ihnen einige wichtige Hinweise und Anregungen geben, um Sie bei dieser Entscheidung zu unterstützen.

Warum Mammografie-Reihenuntersuchungen?

Mit jährlich rund 72.000 Diagnosen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. Da die Heilungschancen meist größer sind, je eher der Krebs entdeckt wird, wurden für Brustkrebs, wie auch für Gebärmutterhalskrebs, Darmkrebs, Hautkrebs oder Prostatakrebs, verschiedene Screening-Programme eingeführt. Damit soll der Krebs frühzeitig entdeckt und behandelt werden, bevor entsprechende Beschwerden auftreten oder der Tumor tastbar wird.

Da Brustkrebs am häufigsten im Alter von 50 bis 70 Jahren auftritt, wird allen Frauen in dieser Altersgruppe angeboten, regelmäßig an einer Mammografie-Reihenuntersuchung (Mammografie-Screening) teilzunehmen. Die Einladung zum Screening bezieht alle Frauen der oben genannten Altersgruppe ein. Somit erfolgt weder eine Anpassung an individuelle Risikofaktoren und Besonderheiten noch ein persönliches informierendes Arztgespräch zum Screening-Programm. Die Kosten für die Reihenuntersuchung werden von der Solidargemeinschaft aller Versicherten getragen und betragen rund 220 Millionen Euro jährlich.

Welche Untersuchungsmethoden für die Brust gibt es?

Keine der heutigen Untersuchungsmethoden der Brust bietet eine umfassende Sicherheit:

  • Eine gute und gründliche Tastuntersuchung kann je nach Beschaffenheit des Brustdrüsenkörpers eine gewisse Beurteilung im Hinblick auf Gewerbsveränderungen möglich machen.
  • Eine Ultraschalluntersuchung kann viele auffällige Befunde darstellen. Manche Krebsarten sind im Ultraschall auch besser sichtbar als in der Mammografie. Dies gilt vor allem für Frauen unter 50 Jahren. Manche Tumore jedoch, und vor allem Krebsvorstufen, können mit dem Ultraschall nicht gesehen werden.
  • Eine Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung, mit der bei Frauen über 50 Jahre 50 % der Mammakarzinome und einige Vorstufen gesehen werden können. Bei sehr dichtem Brustdrüsenkörper liegt die Sensitivität noch darunter. Die Strahlenbelastung der Untersuchung kann in sehr geringem Maße zellschädigend sein.
  • Eine Kernspintomografie zeigt Vorstufen und Brustkrebserkrankungen sehr zuverlässig und wird in Einzelfällen als ergänzende Untersuchung herangezogen. Als Screening-Methode eignet sie sich u. a. aufgrund der hohen Kosten nicht.

Kritische Anmerkungen zur Reihenuntersuchung

Eine Reihenuntersuchung zielt vor allem darauf ab, eine Krankheit früh zu erkennen und dadurch möglichst heilen zu können. Gerade bei Brustkrebs greift dieser Ansatz jedoch nicht immer. Denn manche Tumorarten streuen schon in einem sehr frühen Stadium (dann käme die Früherkennung zu spät). Andere hingegen wachsen langsam, sind weniger aggressiv und streuen auch im späteren Stadium nicht, zum Beispiel, wenn der Knoten schon tastbar ist (dann hätte die Früherkennung keinen Nutzen). Von einer Mammografie-Reihenuntersuchung profitieren also nur die Frauen, deren möglicher Brustkrebs zum Zeitpunkt der Mammografie weder tastbar ist noch gestreut hat und zu dem Zeitpunkt, wenn er auf eine tastbare Größe herangewachsen wäre, streuen würde. Insofern kann die Aussagekraft der Mammografie individuell durchaus beschränkt sein. Jeder zweite operierte Brustkrebs wird per Zufall in der Zwischenzeit zwischen zwei Mammografien entdeckt (sogenannte „Intervallkarzinome“). Dies gilt insbesondere für rasch wachsende Tumoren (siehe „Unterdiagnostik“).

Zum Vertragswerk des Mammografie-Screenings gehört auch, dass die weitere Diagnostik und die Überleitung zur Therapie von der Screening-Stelle koordiniert wird, ohne dass die behandelnden Frauen- oder Hausärzte und -ärztinnen einbezogen werden müssen. Eine solche zusätzliche Begleitung durch vertraute Ansprechpartner ist nicht vorgesehen. Es ist ebenfalls nicht vorgesehen, dass Sie als Patientin eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Sie können jedoch jederzeit anders handeln.

Nutzen oder Schaden beim Screening?

  • Wie effektiv das Screening-Programm tatsächlich ist, um die Sterblichkeit durch Brustkrebs zu reduzieren, wird unterschiedlich beurteilt und sehr kontrovers diskutiert.
  • Wenn 2.000 Frauen über einen Zeitraum von 10 Jahren alle 2 Jahre an einem Mammografie-Screening teilnehmen, profitiert eine Frau davon, das heißt, es stirbt eine Frau weniger an Brustkrebs.
  • Überdiagnostik: Es gibt Frauen, bei denen durch das Screening ein Brustkrebs oder eine behandlungsbedürftige Krebsvorstufe diagnostiziert und in der Folge behandelt werden, die ohne das Screening zu Lebzeiten nicht aufgefallen wären. Der Krebs bzw. die Krebsvorstufe hätten sich unentdeckt bis zum (natürlichen) Lebensende der Frau weiterentwickelt, ohne die Patientin zu gefährden. Es handelt sich in solchen Fällen um eine „Überdiagnose“, denn bei einem auffälligen Befund folgen chirurgische Eingriffe sowie eventuell die Empfehlung zu Strahlen- und Chemotherapie, welche in diesem Fall für die betroffenen Frauen ausschließlich Nachteile haben.
  • Unterdiagnostik: Bestimmte Brustkrebsarten werden mit der Mammografie nicht erfasst. Dies gilt insbesondere für aggressive Tumorarten. Ca. 30 % der durch Ultraschall diagnostizierten Brustkrebse sind laut Literatur in der Mammografie nicht erkennbar.
  • Falsch positive Befunde: Das Mammografie-Screening führt zu mehr „falsch positiven“ Befunden, als dass es tatsächlich Karzinome entdeckt. Unter „falsch positiv“ versteht man einen abklärungsbedürftigen Mammografie-Befund, der sich letztlich als unauffällig herausstellt. Zwei von zehn Frauen, die regelmäßig am Screening-Programm teilnehmen, sind davon betroffen. Auf einen solchen auffälligen Mammografie-Befund folgen Anschlussuntersuchungen, eventuell eine Biopsie oder sogar eine Operation, mit einer sich über Wochen ziehenden Zeit der Unsicherheit während des Wartens auf die Ergebnisse. Die Ängste, die durch solche Untersuchungsergebnisse ausgelöst werden, können ihrerseits zu einer erheblichen Belastung für die betroffenen Frauen werden.

 

Eigenverantwortlich handeln

Bei einer Entscheidung für oder gegen die Teilnahme am Screening gilt es, Folgendes zu bedenken: Eine Mammografie ist keine vorbeugende Maßnahme, die verhindert, dass sich eine Krebserkrankung entwickelt. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Methode zur Früherkennung, welche auch potenzielle Nachteile mit sich bringt.

Dieses Merkblatt möchte Ihnen helfen, zu einer eigenen Entscheidung zu finden, ohne zusätzliche Ängste zu wecken. Angst spielt aber gerade dann eine große Rolle, wenn es darum geht, Frauen zur Teilnahme an der Reihenuntersuchung zu bewegen.

Für eine individuelle Entscheidung sind folgende Fragen hilfreich:

  • Wie groß sind Ihre Sorgen oder Ihre Ängste vor Krebs oder auch vor der Mammografie?
  • Wie hoch sind Ihre persönlichen Risikofaktoren – waren Sie zum Beispiel nie schwanger? Wie sieht Ihre familiäre Belastung aus – gab oder gibt es Brustkrebs bei Mutter, Schwester oder Tante?
  • Wie ist die Beschaffenheit Ihrer Brust – kann das Gewebe bei einer Tastuntersuchung und/oder beim Ultraschall leicht oder nur schwer beurteilt werden?

Nehmen Sie sich die Zeit, sich mit diesen Fragen in Ruhe auseinanderzusetzen, um zu Ihrer eigenen Entscheidung zu finden.

Falls Sie sich aus guten Gründen für eine Teilnahme am Screening-Programm entscheiden und auffällige oder unklare Befunde festgestellt werden, machen Sie sich bewusst, dass Sie jederzeit die Möglichkeit haben, die weitere Diagnostik und Behandlung mit Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt abzustimmen und ggf. in einem Krankenhaus Ihrer Wahl durchführen zu lassen.

Individuell entscheiden

Eine Früherkennung will und soll mögliche Krankheiten suchen und finden. Manchmal kann es jedoch auch sinnvoll sein, die Perspektive zu wechseln und selbstbewusst zu fragen: Was fördert meine Gesundheit? Wie geht es mir?

Jede Frau ist und reagiert anders, auch in Bezug auf Ängste und Sorgen – und wird eine individuelle Behandlung bzw. Untersuchungsmethode bevorzugen, die zu ihr passt. Das können die sorgfältige ärztliche Untersuchung sein (auch kombiniert mit Ultraschall) und/oder die regelmäßigen Selbstuntersuchungen. Und natürlich auch eine Mammografie, die dann aus gegebenem, selbstbestimmtem Anlass ergänzend durchgeführt wird.

So gilt auch bei Programmen zur Vorsorge bzw. Früherkennung: Wer individuell entscheiden kann, wird leichter zu einem wirklich eigenverantwortlichen Gesundheitsbewusstsein finden.

Verantwortliche Autoren

Dr. med. Miriam Bräuer, Frauenärztin, Herdecke
Angelika Maaser, Frauenärztin, Berlin
Dr. med. Bart Maris, Frauenarzt, Krefeld
Dr. med. Gabriela Stammer, Frauenärztin, Wennigsen


Herausgeber

GAÄD | Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V.
Herzog-Heinrich-Straße 18
80336 München

Tel. (089) 716 77 76-0, Fax -49

www.gaed.de | infonoSpam@gaed.de

Stand: September 2017

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