Fluorid für die Zähne?

Stand: April 2016 (3. Aufl.)

In Deutschland bekommen viele Säuglinge „D-Fluoretten“ verabreicht, eine Kombination aus Fluorid und Vitamin D. Sobald der erste Zahn gewachsen ist, raten viele Zahnärzte, Zahnpasta mit Fluorid zu benutzen. Bei den zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen wird häufig mit hochdosiertem Fluorid-Gel behandelt. Darüber hinaus gibt es fluoridierte Zahnseide, fluoridhaltige Mundspüllösungen, fluoridiertes Speisesalz etc. Fluoridbehandlung soll der Vorbeugung von Karies (Zahnfäule) dienen. Art und Umfang sind jedoch auch in Fachkreisen umstritten.

Ist die Fluorid-Langzeitbehandlung wirklich im Dienste Ihrer Gesundheit und der Ihres Kindes? Gibt es Nebenwirkungen oder Gegenanzeigen, die Sie kennen sollten, bevor Sie sich für eine solche Behandlung entscheiden? Was macht Fluorid eigentlich im Organismus und mit der Zahnsubstanz?

Als erfahrene Zahnärzte, die auf der Grundlage der Anthroposophischen Medizin arbeiten, möchten wir Sie über diese Fragen und Themen informieren.

Wir wissen und erleben, dass die menschlichen Zähne an Karies erkranken können. Sie bekommen dann Löcher, die – unbehandelt – schließlich zum Verlust des erkrankten Zahns führen. Für dieses Geschehen werden vor allem im Übermaß vorhandene Säuren verantwortlich gemacht, die u.a. bei der Zuckerverwertung durch mundständige Bakterien entstehen und den zahnschützenden, harten Zahnüberzug (Zahnschmelz) angreifen, ihn teilweise auflösen und zerstören können. Wo der Zahnschmelz und das darunterliegende Dentin (Zahnbein) aufgelöst und seine Strukturen zerfallen sind, ist nun das gefürchtete Zahnloch (Karies) entstanden, welches sich im Regelfall kontinuierlich vergrößert. Ergebnis: Der Zahn verfault.

Woraus bestehen die Zähne

Die Zahnsubstanz besteht aus vielerlei mineralischen Stoffen und ist der Knochensubstanz sehr ähnlich. Der Hauptbestandteil ist ein Kalksalz, Kalziumphosphat, der phosphorsaure Kalk. Das chemisch aktivste salzbildende Element ist Fluor. Der menschliche Stoffwechsel braucht die Salze dieses Spurenelements, damit das Knochengerüst eine ausreichende Festigkeit erlangt. Fluorid ist in Spuren in jedem Wasser und in allen natürlichen Nahrungsmitteln ausreichend enthalten und muss bei vernünftiger und vielseitiger Ernährung nicht zusätzlich zugeführt werden. Das Kalziumphosphat der Zahnsubstanz enthält chemisch betrachtet Hydroxylgruppen. Durch diese ist es flexibel und kann seine Festigkeit verändern. Wo in ganz kleinen Mengen Fluorid (so heißt das Salz des Elements Fluor) eingelagert wird, heißt die Kalksubstanz dann Kalziumfluorid. Dieses ist fast unlöslich.

Es ist ein natürlicher Prozess, dass sich kontinuierlich Mineralien aus der Zahnoberfläche lösen und vom Speichel aufgenommen werden. Genauso werden unter guten Bedingungen Mineralien, die im Speichel enthalten sind, wieder in die Zahnoberfläche eingelagert und festigen diese (Remineralisation). Dies ist wie ein „Atemprozess“, der in nahezu allen lebenden Organen und Geweben stattfindet und immer ein Kennzeichen des Lebendigen ist.

Wenn nun aber zusätzliches Fluorid im Speichel vorhanden ist, wird das gelöste Kalziumphosphat verändert: Fluoride verdrängen aufgrund ihres extremen Reaktionsvermögens das Phosphat von dem Kalzium, sodass sich anstelle von Kalziumphosphat nun das fast unlösliche Kalziumfluorid in die Zahnoberfläche einlagert. Der Zahnschmelz kann deshalb nicht mehr ausreichend an dem beschriebenen natürlichen Prozess des Lösens und Wiederbefestigens teilnehmen. Er verliert dadurch seine Flexibilität, wird starr, unbeweglich und spröde.

Warum, wo und wie schützt Fluorid vor Karies?

Experimentell fand man in den sechziger Jahren heraus, dass zusätzlich in den menschlichen Organismus eingeführtes Fluorid (Natriumfluorid, Zinnfluorid, später Aminfluorid) dazu führt, dass sich – bedingt durch die extreme Reaktionsfreudigkeit des Fluor-Elements – im Bereich der Knochen- und Zahnbildung immer mehr Fluorapatit bildet. Die chemische Reaktion sollte der künstlichen Festigung der Zahnsubstanz dienen. Allerdings verdichtet sich hierdurch die Kalksubstanz in Knochen und Zähnen immer mehr – ein Prozess, der grundsätzlich Alterung und Rückzug des lebendigen Stoffwechsels bedeutet. Was in Knochen und Zähnen (dem menschlichen Kalkgerüst) im Laufe eines langen Lebens auf natürlichem Wege stattfindet – nämlich Verdichtung, Alterung, Verhärtung, Schwinden der Elastizität –, geschieht bei zusätzlicher Gabe von künstlichen Fluoriden dann bereits im frühesten Kindesalter. So nimmt unter kontinuierlicher Fluorid-Einnahme z.B. die Knochenbrüchigkeit zu, und – einer großen chinesischen Studie1 zufolge – der Intelligenz-Quotient (IQ) ab. Die Lebendigkeit und damit die Anpassungsfähigkeit des kindlichen Organismus werden gehemmt, bis in die Denk- und Lernfähigkeit hinein. Zudem wirken Fluoride auch hemmend auf Stoffwechselprozesse, bei denen z.B. Magnesium eine Rolle spielt, was sich gerade in der Zeit, in der das Kind wachsen und gedeihen sollte, ungünstig auswirkt.

Auf Anraten der kinderärztlichen Fachgesellschaften werden in Deutschland Fluoride für die Kinderbehandlung bereits ab dem 5. Lebenstag innerlich (systemisch) in Tablettenform empfohlen und gegeben. Aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Nachweise, dass sich diese frühe Behandlung auch wirklich positiv auf das Gebiss auswirkt, und aufgrund der Erkenntnis, dass Karies keine Fluoridmangelerkrankung ist, raten die wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Zahnheilkunde von der systemischen Fluoridgabe ab. Stattdessen raten sie dazu, bereits ab dem ersten Zahn täglich über Zahnpasta den Zahnschmelz äußerlich zu fluoridieren. Da Kinder aber erst ab 3–4 Jahren Zahnpasta aktiv ausspucken können, diese jedoch nicht zum Verzehr geeignet ist, raten Kinderärzte hiervon wiederum ab. Ein Dilemma widerstreitender Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften!

Bei der Zahnfluoridierung handelt es sich also nicht um eine medizinisch notwendige Maßnahme, sondern um die Anregung von Verfestigungsprozessen zur Reduzierung von Karies, die jedoch weitgehend irreversibel sind und die lebendige Wechselwirkung aussperren. Es ist daher fraglich, ob hier unter umfassenderen Gesichtspunkten von Vorsorge gesprochen werden kann.

Kann eine Zahnfluoridierung schädlich sein?

Wieso wird die Zahnschmelz-Fluoridierung heute trotzdem als Goldstandard der Kariesprophylaxe angesehen? Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass der Zahnschmelz (das ist der harte, im Mund sichtbare Überzug über der Zahnkrone) als „biologisch tot“ angesehen wird. Die schmelzbildenden Zellen sind lange vor dem Durchbruch des Zahns in die Mundhöhle für immer abgestorben. Bedingt durch diese Tatsache kann sich Zahnschmelz nach seiner Entstehung nie mehr biologisch reproduzieren bzw. nachbilden. Dies ist eine für menschliche Gewebe einmalige Situation. Wenn man meint, dass dieser biologisch tote Schmelz künstlich „verbessert“ werden könnte, indem „stabileres“ Kalziumfluorid eingelagert wird, wird man dem menschlichen Wesen nicht gerecht. Hierdurch wird der „Mineralien-Atemprozess“ der Zahnoberfläche reduziert bzw. blockiert. Es ist der Mensch selbst, der als nicht nur leibliches, sondern auch seelisch-geistiges Wesen ununterbrochen den vermeintlich toten Zahnschmelz wieder „verlebendigt“ und wieder in den menschlichen Stoffwechselkreislauf einbringt. Der Speichel ist hier der Vermittler. Das Säure-Basen- Geschehen entscheidet über die Intensität der De- und Remineralisation. Diese Situation wiederum ist direkt vom aktuellen Gefühls- und Bewusstseinszustand abhängig. Je nach geistiger Betätigung oder gefühlsmäßigem Engagement ist unsere Säure-Basen-Situation im Mundmilieu zu jeder Zeit anders und gestaltet damit den Mineralien-Atemprozess an der Zahnoberfläche. Dies ist eine Art „Lebendigkeit höherer Art“, die über die rein biologische Reproduktion von Zellen hinausgeht und für den Menschen einzigartig ist.

Entscheidend für die Beurteilung der Fluoridanwendung an den Zähnen ist ein Verständnis der Kariesentstehung. Diese wird durch Umstände gefördert, die den gesamten menschlichen Organismus betreffen. Die allgemein wissenschaftliche Erkenntnis lautet heute: Karies ist ein multifaktorielles Geschehen. Die Einmaligkeit eines jeden Menschen bedingt, dass bei jedem Menschen verschiedene Zähne zu verschiedenen Zeiten betroffen sein können. Der Zustand der Zähne insgesamt gibt auch einen Hinweis auf die gesamte gesundheitliche Situation des Menschen. Die Zahnfluoridierung kaschiert zunächst vordergründig diese Tatsachen. Wir nehmen an, dass die Fluoridierung des Gebisses, in dem die De- und Remineralisation reduziert werden, negative Rückwirkungen auf den gesamten menschlichen Kalkstoffwechsel hat. Aus ganzheitlichen Erkenntnissen heraus wissen wir jedoch, dass sich alles, was am Körper des Menschen getan wird, auch auf seine seelische und geistige Wesenheit auswirkt. Kleinkinder und heranwachsende Jugendliche befinden sich ganz besonders in sensiblen Entwicklungsphasen, in denen nichts statisch und vollendet ist, sondern Lebendigkeit und Anpassungsfähigkeit gefragt sind. Zu Freiheit und Verantwortungsbewusstsein kann sich der Mensch nur entwickeln, wenn er sich lebendig und anpassungsfähig hält. Dem scheint ein Anregen der Fluorprozesse in Form von zusätzlicher, künstlicher Fluoridierung eher entgegenzuwirken.

Die Gefahr der Überdosierung besteht heute mehr denn je, weil es inzwischen ein extremes Überangebot an künstlichen Fluoridquellen gibt: Zahncremes, Mundspüllösungen, Zahnseide, Zahnstocher, Zahnlacke, Speisesalz, Erfrischungsgetränke, Füllungsmaterialien und in manchen Gegenden dieser Erde mit Fluoriden angereichertes Trinkwasser. Daher ist es für die Erwägung einer Zahnfluoridierung grundsätzlich unabdingbar, eine Fluoridanamnese durchzuführen (d.h. eine sorgfältige Überprüfung sämtlicher möglicher Fluoridquellen, die sich im praktischen Leben allerdings sehr schwierig gestaltet). Was das Trinkwasser betrifft, ist der aktuelle Fluoridgehalt bei den städtischen Wasserversorgungsunternehmen zu erfragen.

Der menschliche Körper braucht Fluoride für seine gesunde Entwicklung lediglich in Spuren. Daher ist eine Überdosierung schnell erreicht, die in der Zeit der Bildung der bleibenden Zahnkronen im kindlichen Kiefer (etwa vom 1. bis zum 7. Lebensjahr) dazu führen kann, dass die schmelzbildenden Zellen in ihrer Funktion gestört werden. Das äußerlich sichtbare Ergebnis sind irreversible Zahnschmelzschäden, Schmelzaufbaustörungen, die von weißen oder braunen Flecken an der Zahnoberfläche bis zum völligen Fehlen großer Schmelzareale reichen können. Die zurzeit gültige Empfehlung für die maximale tägliche Gesamtfluoridzufuhr (im Sinne einer zusätzlichen Fluoridierung) liegt für Kinder bei 0,25–0,5 mg, die für Erwachsene bei 1,0–1,4 mg. In diesem Zusammenhang ist zu bedenken, dass auch die Abwässer zunehmend mit diesen Stoffen belastet werden, die auf natürlichem Wege nicht abbaubar sind.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Die Gesundheit der Zähne ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Daher macht es Sinn, auf den verschiedensten Ebenen des Lebens aufmerksam zu sein oder zu werden und sich entsprechend zu verhalten. Bereits im frühen Kindesalter sollte eine gesunde Mundhygiene gelernt und praktiziert werden. Es ist wichtig, ab dem ersten Zahn regelmäßig zweimal täglich die Zähne zu putzen, besonders gründlich abends. Dabei kommt es vor allem auf die mechanische Entfernung des vorhandenen Zahnbelags an. Hierzu eignen sich entsprechende Zahnpflege-Fingerlinge oder weiche Noppenzahnbürsten für die ganz kleinen Kinder. Zahnpasta ist im 1. Lebensjahr unnötig. Ab dem 2. Lebensjahr können natürliche Produkte verwendet werden. Es steht eine Vielzahl naturbelassener Pflegemittel zur Verfügung.

Die Ernährung hat wesentlichen Einfluss auf die Zahngesundheit. Es gilt, abwechslungsreiche und möglichst unbelastete Nahrungsmittel (z.B. Demeter-Produkte) zu sich zu nehmen. Gut und sorgfältig kauen (z.B. die rohe Möhre) stärkt die Zähne. Milchprodukte sind für die Zähne gut, Zucker in den verschiedensten Formen (wegen der intensiven Säurebildung) eher schädlich. Am allerschädlichsten sind die pausenlosen „Schleckereien“. Der Mund braucht regelmäßig Essenspausen, in denen der Speichel die Säure abbauen kann. Süßes sollte wenn, dann nur im Anschluss an die Hauptmahlzeiten gegessen werden und nicht zwischendurch. Dies schützt nicht nur vor Karies, sondern auch vor Übergewicht. Ständiges Trinken aus Nuckelflaschen – was sich mittlerweile durch alle Altersgruppen zieht – fördert Karies, da der neutralisierende Speichel ständig weggespült wird. Trinken sollte geschmacksneutral sein, ständige Saftschorlen und zuckerhaltige Getränke sollten vermieden werden. Auf den Speisezettel gehört täglich auch frische Rohkost (Gemüse und Obst). Dies schützt nicht nur vor Karies, sondern auch vor anderen Erkrankungen. Bei bestehender Milchunverträglichkeit fragen Sie bitte Ihren Arzt.

Die Anthroposophische Medizin kennt vielfältige medikamentöse Hilfestellungen für die verschiedensten Schwachpunkte im Zahn-, Mund- und Kieferbereich. Fragen Sie gerne Ihren anthroposophischen Haus- oder Zahnarzt! Der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt dient immer der Vergegenwärtigung der aktuellen Zahnsituation und gibt überdies Aufschluss über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand. Entwickeln Sie ein Interesse an Ihren Zähnen und dem Zusammenhang dieser mit dem Gesamtorganismus, wird die Angst weichen und sich in eine positiv wirkende Zuwendung verwandeln.

Verantwortliche Autoren

Reinhard Menzel, Zahnarzt, Freiburg i. Br.
Elke Glenz-Scotland, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie, Schaafheim

Beratende Ärzte

Renate Kviske, Zahnärztin, Dänischenhagen
René Madeleyn, Kinder- und Jugendarzt, Filderstadt
Bart Maris, Frauenarzt, Krefeld

Georg Soldner, Kinder- und Jugendarzt, München

Christoph Meinecke, Kinder- und Jugendarzt, Berlin

1) Choi AL, Sun G, Zhang Y, et al. Developmental fluoride neurotoxicity: a systematic review and meta-analysis. Environmental Health Perspectives 2012;120(10):1362–8.


Herausgeber

GAÄD | Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V.
Herzog-Heinrich-Straße 18
80336 München

Tel. (089) 716 77 76-0, Fax -49

www.gaed.de | infonoSpam@gaed.de

Stand: April 2016 (3. Aufl.)

Dieses Merkblatt kann bei der GAÄD-Geschäftsstelle gegen eine geringe Schutzgebühr bestellt werden.

Download Bestellformular »