Merkblatt Die Pille und andere Verhütungsmethoden

Stand: September 2015

Empfängnisverhütung ist ein Bedürfnis vieler Menschen. Das heutige Spektrum an Verhütungsmöglichkeiten steht erst seit relativ kurzer Zeit allgemein zur Verfügung. Die „Pille“ ist eine seit 1960 zugelassene, gut erprobte und zuverlässige Verhütungsmethode – und gerade bei jungen Frauen sehr beliebt: Fast 70 Prozent der Jugendlichen verhüten mit der Pille, obwohl heute auch der Infektionsverhütung (Kondom) eine immer größere Bedeutung zukommt. Da die Pille nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen ist, lohnt es sich, Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen. Welche Auswirkungen hat die Pille auf den weiblichen Organismus, insbesondere auf den jugendlichen? Welche anderen Verhütungsmethoden gibt es? Diese Fragen, die viele junge Menschen und auch deren Eltern bewegen, möchte dieses Merkblatt beantworten, um so bei der Entscheidung für oder gegen diese Form der Verhütung behilflich zu sein.

Wie wirkt die Pille?

Die Pille enthält synthetische Hormone, die den Hormonen des Eierstocks entsprechen. Das gilt auch für den „Scheiden-Ring“ und das „Verhütungspflaster“, die in ihren Substanzen (und ihren Risiken und Nebenwirkungen) mit der Pille identisch sind, sich nur dadurch von ihr unterscheiden, an welcher Stelle die Substanz in den Organismus aufgenommen wird. Durch die Einnahme der Pille wird die eigene Hormonbildung in den Eierstöcken unterdrückt. Auch die Bildung von Hormonen in der Hirnanhangdrüse, die im Dialog mit den Eierstöcken steht, erlischt für die Zeit der Pilleneinnahme vorübergehend. Komplexe Wechselwirkungen, die dem weiblichen rhythmischen Zyklus zugrunde liegen und die mit vielen anderen körperlichen und seelischen Funktionen vernetzt sind, werden somit ausgeschaltet. Dabei ist gerade dieses individuelle rhythmische Geschehen für den weiblichen Organismus charakteristisch. Die Schwingungsfähigkeit im weiblichen Zyklus gilt sowohl für körperliche als auch für seelische Funktionen. Unter Einnahme der Pille wird dieser bewegliche Rhythmus durch eine gleichförmige Steuerung in einem festen Takt ersetzt.

Wie wird die Pille eingenommen?

Beginnend mit dem ersten Tag der Regel wird die Pille 21 Tage lang eingenommen. In den daran anschließenden 7 Tagen Pause kommt es zur Blutung. Bei manchen Pillen-Präparaten geschieht die Einnahme auch drei oder sechs Monate durchgehend. Erst dann folgt eine Woche Pause mit der typischen Blutung. Bei Erbrechen, Durchfall oder Antibiotika-Einnahme ist die Sicherheit der Pille nicht gewährleistet, ebenso wenig, wenn einzelne Pillen vergessen wurden. In solchen Fällen muss bis zum Beginn der neuen Packung (bei Antibiotika-Einnahme bis 14 Tage nach Ende der Therapie) zusätzlich mit Kondomen verhütet und die laufende Pilleneinnahme fortgesetzt werden.

Welche Nebenwirkungen hat die Pille?

Die Pille verhindert den Eisprung, indem sie den Zyklus unterdrückt. Sie blockiert die hormonelle Regulation und die Interaktion zwischen Gehirn (Hirnanhangdrüse) und den Geschlechtsorganen. Unangenehme Nebenwirkungen der Pille können sein: Gewichtszunahme, Zwischenblutungen, Pickel, Spannen der Brust, Haarausfall, Übelkeit. Darüber hinaus begünstigt die Pille Abwehrschwäche und Infektionsanfälligkeit: Scheideninfektionen mit Pilzen (Candida) oder anderen Erregern treten deutlich häufiger auf oder verlaufen schwerer, wie z. B. die häufige HPV-Infektion, die zu Veränderungen am Gebärmutterhals führen kann. Studien zeigen, dass das Risiko für Thrombose, Embolie, Herzinfarkt und Schlaganfall durch Einnahme der Pille um 10 Prozent steigt, bei Frauen, die gleichzeitig rauchen, sogar um 30 Prozent. Bei einer oft unerkannten, angeborenen Störung des Gerinnungssystems (z.B. Faktor-V-Leiden-Mutation) kann dieses Risiko um ein Vielfaches ansteigen. Beobachtet wird außerdem immer wieder, dass unter Einnahme der Pille sexuelle Lustlosigkeit, Antriebsschwäche, Konzentrationsstörungen und depressive Phasen vermehrt auftreten. Bei Langzeiteinnahme nimmt das Krebsrisiko für die Brust und den Muttermund zu. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, sinkt jedoch.

Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen und der Beeinträchtigung des weiblichen Organismus sollte die Pille abgesetzt werden, wenn keine Verhütung nötig ist. Es ist nicht ratsam, die Pille nur zur Regulation des Zyklus oder zur Verbesserung des Hautbildes einzunehmen. Treten nach dem Absetzen Zyklus- und Rhythmusstörungen auf, können diese meist mit anthroposophischen, pflanzlichen oder homöopathischen Arzneimitteln erfolgreich behandelt werden.

Wie sicher sind die verschiedenen Verhütungsmethoden?

Eine 100-prozentig sichere Verhütung gibt es nicht. Die Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode wird durch den sogenannten Pearl-Index angegeben. Ein Pearl-Index von 5 bedeutet, dass von 100 Frauen, die mit einer bestimmten Methode ein Jahr lang verhüten, 5 schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer ist also die Verhütungsmethode. Der Pearl-Index für die Pille liegt zwischen 0,1 und 0,9. D. h. auch unter der Pille kann es, wenn auch selten, zu einer Schwangerschaft kommen. (Alle hier erwähnten Angaben zum Pearl-Index stammen von pro familia.)

Kritisch angemerkt

Für ihn: Verhütung ist heute selbstverständlich nicht mehr allein Frauensache und die Verantwortung dafür sollte idealerweise gemeinsam getragen werden. Die Alternativen zur Pille sind zwar weniger bequem, dafür aber weniger belastend für die Frau. Hinzu kommt, dass die Pille keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gewährleistet. Überdies schwächt sie die Infektionsabwehr, so dass hier in doppelter Hinsicht ein Risiko besteht

Für das Paar und die Eltern: Junge Menschen sind neugierig und haben Freude an Begegnungen, Beziehungen und Sexualität. Zum Erwachsenwerden gehört es auch zu lernen, selbst Verantwortung zu tragen. Dies gilt für die Sexualität wie für alle anderen Dinge des Lebens. Bezogen auf die Verhütung bedeutet dies: Bei Mädchen in der Pubertät entwickelt der junge weibliche Organismus erst langsam eine regelmäßige Hormonproduktion – es dauert oft Jahre, bis die Frau ihren Zyklus individualisiert hat. Dieser Lernprozess des Organismus betrifft nicht nur den Körper, sondern ebenso das seelische Empfinden. Dabei treten die Mädchen aus der einheitlichen Stabilität des kindlichen Organismus heraus und müssen nun mit dem dauernden Wechsel zurechtkommen, um sich schließlich mit dem (immer zuverlässiger werdenden) Rhythmus zu identifizieren. Dieser empfindliche Prozess der Individualisierung wird durch die Einnahme der Pille verändert. Für die Mädchen kann es dadurch viel schwieriger werden, sich in ihrer Weiblichkeit zu erfahren und ihre spezifisch weiblichen Potenziale anzunehmen.

Welche Verhütungsmethoden gibt es?

Kondome: Sie schützen vor Schwangerschaft, HPV, HIV, Chlamydien, Hepatitis B und C und vielen anderen Erregern. Für Kondome sprechen die unkomplizierte Anwendung und die leichte Verfügbarkeit. Wird ein Kondom jedoch ungeschickt oder unsachgemäß verwendet, kann es leicht zerreißen oder verrutschen, so dass die Frau gegebenenfalls zur „Pille danach“ greifen muss. Der Pearl-Index beträgt 2–12 (in Abhängigkeit von der Handhabung).

Temperatur- oder symptothermale Methode (Natürliche Familienplanung, NFP): Eine Frau ist nur an maximal 7 Tagen im Monat fruchtbar. Um diese Tage zu ermitteln, wird mit einem Fieberthermometer oder einem speziellen kleinen Computer die Morgentemperatur vor dem Aufstehen gemessen und in eine Übersichtstabelle eingetragen. Zusätzlich können anhand der Veränderung des Muttermundschleims der Zeitpunkt des Eisprungs und damit die fruchtbaren Tage abgeleitet werden. Die Sicherheit dieser Methode hängt von der Konsequenz der Anwendung ab und entspricht im Idealfall der Pille (Pearl-Index: 0,3). Die Zuverlässigkeit setzt jedoch einen einigermaßen rhythmischen Tagesablauf voraus, weshalb sie beispielsweise weniger bei Schichtarbeit mit Nachtdiensten geeignet ist. (Für weitere Informationen siehe z. B. www.mynfp.de)

Temperaturmessung plus Kondome: Mit dieser Kombination ist eine sehr sichere Verhütung möglich. Allerdings müssen beide Partner gut über den Zyklus informiert und bereit sein, in gemeinsamer Verantwortung für die Verhütung zu sorgen. Damit kann die Verhütung zu einer partnerschaftlichen Aufgabe werden, die nicht allein in den Händen der Frau liegt.

Diaphragma (Scheidenpessar): Das Diaphragma ist eine weiche, schalenförmige Kappe aus Latex oder Silikon, die mit einer spermienhemmenden Creme (gibt es auch auf Milchsäurebasis) vor den Muttermund geschoben wird. Die Anwendung muss gut geübt werden, damit das Diaphragma richtig liegt. Ein Diaphragma muss nach dem Verkehr noch 6 bis 8 Stunden in der Scheide verbleiben und ist wasch- und wiederverwendbar. Die Größe muss heute nicht mehr unbedingt angepasst werden, da manche Diaphragmen eine gut passende Einheitsgröße haben (z.B. Caya®). Der Pearl-Index beträgt 1–20 (abhängig von der Handhabung).

Persona: Dies ist eine vergleichsweise teure Methode, die anhand von morgendlichen Hormonmessungen im Urin abklärt, ob die Frau fruchtbar ist. Die Sicherheit liegt mit einem Pearl-Index von 6 deutlich unter der Temperaturmethode.

Spirale: Die Spirale ist ein kleines Stäbchen, das in die Gebärmutter eingelegt wird und hauptsächlich das Aufsteigen der Spermien hemmt. Die Kupferspirale kann fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. In seltenen Fällen wird damit die Blutung stärker, schmerzhafter oder länger. In der Regel verhindert die Spirale bereits die Befruchtung, manchmal aber auch erst die Einnistung des schon befruchteten Eis. Der Pearl-Index beträgt 0,3–0,8. Die sog. Kupferkette ist in der Wirkung, Nebenwirkung und Sicherheit ähnlich wie die Kupferspirale, muss aber in die Wand der Gebärmutter eingehakt werden. Die Hormonspirale kann ebenfalls für fünf Jahre gelegt werden. Dabei gibt es eine geringere oder oft gar keine Regelblutung. Das Gelbkörperhormon dieser Spirale, das fortwährend abgegeben wird, gelangt in den Blutkreislauf und verursacht nicht selten Nebenwirkungen. Der Pearl-Index beträgt 0,2. Grundsätzlich ist eine Spirale für Mädchen und Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, weniger geeignet, da in diesem Fall die Nebenwirkungen und Risiken, wie die verstärkte Regelblutung und das Risiko aufsteigender Infektionen, höher sind.

„Stäbchen“ und Dreimonatsspritze: Für diese Formen der hormonellen Verhütung gelten ähnliche Überlegungen wie für die Pille. Das „Stäbchen“ (Implanon) wird unter örtlicher Betäubung in den Oberarm eingesetzt und nach drei Jahren wieder entfernt. Ähnlich wirkt die Dreimonatsspritze, bei der alle 12 Wochen Gelbkörperhormon gespritzt wird. Bei diesen Formen der Verhütung gibt es keine regelmäßige Regelblutung. Auch nach Absetzen dieser Mittel kann es länger dauern, bis wieder ein normaler Rhythmus einsetzt. Der Pearl-Index beträgt 0,1 (Stäbchen) bzw. 0,3–0,9 (Depotspritze).

Die „Pille danach“: Die „Pille danach“ ist kein Verhütungsmittel, sondern ausschließlich für den Notfall gedacht. Früher handelte es sich dabei um eine hochdosierte Gelbkörperhormon- und Östrogengabe mit oft starken Nebenwirkungen (insbesondere Übelkeit). Heute wird mit der gleichen Wirksamkeit ein niedriger dosiertes Gelbkörperhormonpräparat gegeben, das weniger Nebenwirkungen hat. Die Tablette muss innerhalb von 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden. Primär wird dadurch der Eisprung verhindert. Je eher sie eingenommen wird, desto sicherer ist die Wirkung. Pauschal gilt, dass bei 10 Prozent der Frauen trotz „Pille danach“ dennoch eine Schwangerschaft eintritt. Neuerdings wird auch ein Antigestagen (Ulipristal) als „Pille danach“ eingesetzt. Dieses Präparat kann bis 5 Tage nach ungeschütztem Verkehr eingenommen werden und hat eine etwas höhere Wirksamkeit. Da es jedoch noch nicht lange zugelassen ist, gibt es noch keine zuverlässigen Aussagen über langfristige Risiken und Nebenwirkungen.

Plädoyer für eine selbstbewusste Entscheidung

Einerseits ist die Pille ein sicheres Verhütungsmittel. Gerade junge Frauen fühlen sich mit der Pille am sichersten – und deshalb sollte man sich auch in jedem Fall mit dieser Form der hormonellen Empfängnisverhütung auseinandersetzen. Das bedeutet andererseits aber auch, Risiken und Nebenwirkungen genau abzuwägen. In diesem Merkblatt haben wir versucht, die wichtigsten Aspekte zur Pille, zu ihrer Wirkung und zu ihren Nebenwirkungen zusammenzutragen sowie mögliche Alternativen vorzustellen. Dazu gehört auch, kritisch zu hinterfragen, wie sich eine hormonelle Verhütung auf Körper, Seele und auch auf die Partnerschaft auswirken kann.

Besonders jungen Frauen möchten wir mit diesem Merkblatt zeigen, dass es neben der Pille noch andere Möglichkeiten der Verhütung gibt, die durchaus einfach, unproblematisch und weniger belastend sind und als ebenso zuverlässig gelten können. Viele junge Paare können in den unterschiedlichsten Lebenssituationen auch ohne Pille Freude an Sexualität und Erfüllung in ihrer Partnerschaft finden, ohne auf eine sichere Verhütung verzichten zu müssen.

Verantwortliche Autoren

Miriam Bräuer, Ärztin, Witten
Angelika Maaser, Frauenärztin, Berlin
Dr. med. Bart Maris, Frauenarzt, Krefeld

Dr. med. Frank Meyer, Allgemeinarzt, Nürnberg

Georg Soldner, Kinderarzt, München

Dr. med. Gabriela Stammer, Frauenärztin, Wennigsen


Herausgeber

GAÄD | Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V.
Herzog-Heinrich-Straße 18
80336 München

Tel. (089) 716 77 76-0, Fax -49

www.gaed.de | infonoSpam@gaed.de

3. Auflage | Stand September 2015

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