Privatärztliche Tätigkeit

Grundsätzlich ist die ambulante Anthroposophische Medizin in verschiedenen Arbeitsformen (z.B. Einzelpraxis, Praxisgemeinschaft, Therapeutikum) auch privatärztlich möglich. Die Rechnungsstellung erfolgt gemäß GOÄ. Rechnungen können sowohl von privaten Krankenversicherungen, Solidargemeinschaften und Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenversicherung sowie in vereinbarten Ausnahmefällen auch von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden.

Vorteile dieser Arbeitsform sind die deutlich höhere zeitliche Flexibilität in der ärztlichen Tätigkeit und die Kalkulierbarkeit der finanziellen Gegenleistung (festgelegte Tarifordnung, kein Regressrisiko) sowie ein erheblich geringerer Verwaltungsaufwand. Der privatärztlich tätige anthroposophische Arzt ist wirtschaftlich leichter in der Lage, sich dem individuellen Bedarf des Patienten z.B. nach einer umfangreichen Beratung anzupassen und eine individualisierte Diagnostik und Therapie durchzuführen. Der Nachteil besteht in der fehlenden Erstattung der ärztlichen Leistung und der Therapiekosten durch die gesetzliche Krankenversicherung sowie eingeschränkte Leistungsmöglichkeiten für gesetzlich Versicherte (z.B. Überweisungen). Maschinell gestützte Diagnostik und Laborkosten können rasch die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Selbstzahlern überfordern. Daher ist diese Form der ärztlichen Versorgung nicht jedem Patienten zugänglich. Die Rechnungsstellung für seine Leistungen kann der Arzt allerdings in erheblichem Umfang den wirtschaftlichen Gegebenheiten des Patienten anpassen.

Die privatärztliche Tätigkeit kann auch komplementär zur Patientenversorgung im Rahmen der GKV einen sinnvollen Beitrag leisten, wenn sie sich auf Leistungen fokussiert, die im Rahmen der vertragsärztlichen Tätigkeit schwierig zu realisieren sind und von selbstzahlenden Patienten nachgefragt und als hilfreich erlebt werden. Dies kann z.B. bei komplexen Anamnese- und Beratungsleistungen oder im Rahmen einer individualisierten Therapiefindung und -begleitung bei schwierig behandelbaren Patienten der Fall sein.