Zur Geschichte der anthroposophischen Medizin

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich aus einer Zusammenarbeit Rudolf Steiners (1861 bis 1925) mit verschiedenen Ärztinnen und Ärzten die Anthroposophische Medizin. Mitbegründerin dieser neuen Medizin war die Ärztin Ita Wegman (1876 bis 1943) – erste Leiterin der Medizinischen Sektion und Gründerin der ersten anthroposophischen Klinik, die bis heute als „Klinik Arlesheim“ besteht. Zur selben Zeit wurde mit der Weleda AG ein Unternehmen aufgebaut, das sich bis heute der Herstellung anthroposophischer Heilmittel widmet. Im Laufe der Zeit kamen weitere Hersteller wie die WALA hinzu.

Aus pädagogischen und sozialen Ideen und Konzepten Steiners bildeten sich heilpädagogische Initiativen. Ein Vorreiter war Karl König (1902 bis 1966) mit der Camphill-Bewegung, deren erste Einrichtung im Jahr 1939 im Kirkton House nahe Aberdeen, Schottland entstand. Bis heute gibt es weltweit mehr als 100 Camphill-Einrichtungen.

Dreißig Jahre später wurde in Herdecke mit dem Gemeinschaftskrankenhaus 1969 das erste anthroposophisch ausgerichtete Krankenhaus der Regelversorgung in Deutschland eröffnet. In Deutschland gibt es heute sechs Krankenhäuser sowie verschiedene Abteilungen und Fachkliniken, die einen anthroposophisch-medizinischen Schwerpunkt haben.

Nach ihrer Gründungsphase im deutschsprachigen Raum verbreitete sich die Anthroposophische Medizin auch international. Sie wird heute in etwa 80 Ländern vorwiegend in ambulantem Rahmen praktiziert. In Deutschland wurde 1976 mit der Neuordnung des deutschen Arzneimittelrechtes der Anthroposophischen Medizin ein gesetzlicher Rahmen als "Besondere Therapierichtung" (neben der Phytotherapie und der Homöopathie) gegeben.

Chr. Holtermann (weitere Informationen folgen)